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"So ein bisschen Bildung... (Part 2)

...ziert den ganzen Menschen" - Heinrich Heine"

 

 

Anfang November habe ich hier auf dem Blog schon ausführlich darüber berichtet, was mich dazu bewogen hat, in "meinem Alter" noch einen Bachelor Studiengang zu beginnen. 

 

Falls du diesen Beitrag verpasst hast, kannst du ihn HIER noch lesen.

 

Heute würde ich gerne ein bisschen darüber erzählen, wie so ein Online Fernstudium eigentlich abläuft.

Allgemeines

  Grafik Design
  Bachelor of Arts
 7 Semester 180 ECTS
 Corporate Communication - Unternehmenskommunikation, Digitale     Applikationen
So steht es auf auf der Webseite der DIPLOMA.
Die DIPLOMA ist eine staatlich anerkannte Hochschule. Das bedeutet, dass der Abschluss, den ich (hoffentlich) irgendwann in der Tasche habe, staatlich anerkannt ist. Genau so wie der einer staatlichen Fachhochschule bzw. Universität.

Studiert man an einer "normalen" FH oder Uni, beträgt die Regelstudienzeit für den Bachelor in Grafik Design 6 Semester. Da es sich bei den Fernstudiengängen meistens um berufsbegleitende Studiengänge handelt, bekommt man ein Semester mehr Zeit.

Online oder Präsenz?

An der DIPLOMA kann man zwischen unterschiedlichen Formen des Studiums wählen.

 

Zum einen kann man das Studium mit Präsenzzeiten absolvieren: d.h. man hat jeden bzw. jeden zweiten Samstag Präsenzvorlesungen an einer FH in der Nähe. Man sitzt also so richtig im Hörsaal.

 

Zum anderen gibt es die rein virtuelle Form, für die ich mich entschieden habe, weil ich keine Lust hatte, jeden Samstag durch die Gegend zu fahren.

 Das bedeutet, dass ich an allen Vorlesungen und Abendtutorien am Computer teilnehme. 

 

Als ich begonnen habe zu studieren (Oktober 2019) war das wirklich seltsam und fühlte sich "außergewöhnlich" an. Ich wurde auch viel dazu ausgefragt, ob das nicht komisch sei... die Dozenten und die Kommilitonen nur auf dem Bildschirm zu sehen und mit dem Headset Kommentare abzugeben.

Selbst im Urlaub muss man keine Vorlesung verpassen!
Selbst im Urlaub muss man keine Vorlesung verpassen!

Mittlerweile sind Online Treffen / Homeschooling / Workshops / Konferenzen / Homeoffice "dank" Corona ein selbstverständlicher Bestandteil unseres Lebens geworden. Dazu muss ich wohl nicht mehr viel erklären.

 

Klar, das wir virtuellen Studenten uns in Corona-Zeiten keine Gedanken darüber machen mussten, wie es z.B. im Shutdown weiter geht... es lief einfach alles weiter wie immer :)

 

Cool an einem reinen Online Studium ist, dass man von überall studieren kann. Man benötigt lediglich stabiles Internet. Man kann sogar über das Handy an den Videoveranstaltungen teilnehmen.

 

So habe ich auch im Urlaub in Südfrankreich oder in Dänemark keine Vorlesung verpasst. 

 

 

Toll ist außerdem, dass dadurch die Studiengruppen schön gemischt werden. Ich z.B. habe Kommilitoninnen, die in Österreich, den Niederlanden und in der Türkei sitzen und studieren.

Lernmaterialien

Studienhefte 1. & 2. Semester (der Ordner platzt!)
Studienhefte 1. & 2. Semester (der Ordner platzt!)

Zum Ende jeden Semesters erhält man von der DIPLOMA ein Paket mit den Unterlagen für das kommende Semester zugeschickt.

 

Zu Beginn des ersten Semesters ist sogar ein kleines, liebevolles Studi-Care-Paket dabei.

 

In jedem Vorlesungsheft ist der Lernstoff sowie Übungs- und Kontrollaufgaben für das jeweilige Modul enthalten.

Logisch, dass man sich dennoch reichlich Fachliteratur zulegt.

 

 

Die Empfehlungen dazu erhält man entweder vom Dozenten in der

Vorlesung oder man nutzt die Bücherliste, die man direkt vom Studienzentrum erhält. Die Bestellung ist allerdings obligat. Zusätzlich zu physischen Büchern, haben alle Studierende Zugriff auf eine große Onlinebibliothek bei der DIPLOMA.

Lehrveranstaltungen

Im Online Campus wird zu Semesterbeginn der Vorlesungsplan veröffentlicht. So hat man genügend Luft, sein Privatleben rund um das Studium zu planen.

 

Ein bis zwei Mal im Monat finden an einem Samstag Online Vorlesungen statt. Diese dauern idR von 9:30 bis 16:30 Uhr. 


Zusätzlich dazu setzen die Dozenten sogenannte Abendtutorien an. Diese finden in der Woche abends ab 19:00 Uhr statt und dauern ca. 2 Stunden.

 

In manchen Wochen hat man zwei Abendtutorien. Es gibt aber auch Wochen, in welchen man gar keine Veranstaltung hat. 

 

Hier werden z.B. die Aufgaben der Vorwoche oder der jeweilige Stand in der Projektarbeit besprochen und gemeinsam Wissen erarbeitet.

Man erhält Feedback von den Kommilitonen zu eigenen Arbeiten und Tipps für das weitere Vorgehen vom Dozenten.

Die Tutorien sind also insgesamt viel interaktiver als die reinen Vorlesungen am Samstag.

 

Insgesamt finde ich die Verteilung der Vorlesungen und Abendtutorien aber sehr entspannt.

Prüfungen

Neben klassischen Klausuren gibt es auch Hausarbeiten, Semesterdokumentationen oder mündliche Prüfungen. 

 

Die Klausuren finden immer zu Beginn eines Semesters statt und fragen den Stoff des vorherigen Semesters ab. Alle Klausuren werden physisch geschrieben. Dafür fährt man zum angesetzten Termin an eine FH in seiner Nähe (ich fahre nach Bochum). 

 

Wenn man 25 Jahre  keine Klausur geschrieben hat, hat man vor der ersten Klausur schon ein bisschen die Hosen voll. Beim zweiten Mal gehts dann schon besser!

 

Im Klausurraum sitzen viele Studenten aus unterschiedlichen Studiengängen. Man bekommt einen bestimmten Platz zugewiesen und muss sich vorher mit Personalausweis und Immatrikulationsbescheinigung verifizieren. 

 

Am Platz liegt ein Umschlag.  Wenn die Aufsicht den Startschuss gibt, öffnet man den Umschlag und schreibt seine Klausur, packt sie danach wieder in den Umschlag und geht (erleichtert!).  Diese wird dann vom Dozenten des Moduls korrigiert und man erhält nach ein paar Wochen seine Note über den Online Campus mitgeteilt. Es ist immer aufregend, wenn man sieht, dass neue Prüfungsergebnisse da sind. Ein bisschen Schade ist, dass man keinen Bewertungsbogen erhält. Man weiß also nicht, was man hätte besser machen können bzw. wo es noch Wissenslücken gibt.

 

Alle anderen Aufgaben, wie Semesterdokumentationen, Hausarbeiten etc. werden in digitaler Form abgegeben. Die Bewertung erhält man ebenfalls über den Online Campus. 

Der Online Campus

Der Online Campus ist quasi die Homebase des Studenten.

 

Hier meldet man sich zu Prüfungen an oder ab, hier erhält man Nachrichten der Hochschule oder von den Dozenten und Kommilitonen.

 

Hier fragt man seine Prüfungsergebnisse ab oder tritt den Vorlesungen bei, welche für jedes Modul einen eigenen Bereich bzw. Meetingraum haben. 

Man findet hier die Online Bibliothek und auch sonst alles, was man so als virtuell Studierender benötigt.

Socializing

Schon in der Einführungsveranstaltung wurde uns gesagt: ein virtuelles Studium ist schwer als Einzelkämpfer durchzuziehen. Vernetzt euch!

 

Das haben wir getan: über whatsapp, Facebook (eigene, geschlossene Studiengruppe) und über einen Discord Server. Vor den Prüfungen haben sich einige von uns auch schon in virtuellen Räumen über den Campus zu Videolerngruppen getroffen. 

 

Wir stehen gut in Kontakt und tauschen uns regelmässig aus. Immer ist jemand da, der eine Frage beantworten kann. Das funktioniert super!

 

Man muss es aber auch mögen.

 

Bestes Beispiel: meine Tochter hatte ein virtuelles Studium begonnen, nach einem Semester aber gemerkt, dass das nichts für sie ist. Sie braucht den echten Kontakt zu Menschen und Präsenzvorlesungen. Also hat sie die Hochschule gewechselt.

Normalerweise findet im zweiten Semester immer das Creative Camp am Standort der DIPLOMA in Bad Sooden statt. 

 

Das ist immer ein Highlight, weil sich dort die Kommilitonen und Dozenten endlich alle persönlich kennenlernen.

Dort finden dann jede Menge Workshops statt: Typografie, Fotografie, Zeichnen, Digitale Medien usw.

 

Durch Corona war dies 2020 leider nicht möglich. Wie gerne hätte ich die Mädels aus meinem Studiengang persönlich getroffen. 

 

Die Camps wurden also kurzerhand in den virtuellen Bereich übertragen und die Workshops fanden online statt.

Das war schon auch cool, ersetzt  aber natürlich nicht ein Treffen im Real Life. Pech gehabt!

Disziplin ist das A und O

Wer glaubt, dass man so ein Studium mal eben so absolviert, weil es vielleicht einfacher ist (schließlich zahlt man ja auch gutes Geld dafür), der hat sich geschnitten. 

 

Man muss sich wirklich regelmäßig dran setzen, sonst wird das nichts. 

 

Selbstdisziplin ist äußerst wichtig. Gerade im häuslichen Umfeld neigt man ja gerne mal dazu zu prokrastinieren. Das geht aber nicht. Für das Studium gilt es immer dran zu bleiben und zu lernen und zwar eigenständig.

 

Als Grafik Designer benötigt man z.B. zwingend gute Kenntnisse der Adobe Programme. Es werden einem zwar stundenlange Online Tutorials für Photoshop, Indesign und Illustrator zur Verfügung gestellt, jedoch reichen diese allein nicht aus. Man muss sich richtig reinfuchsen und das kostet viel Zeit (und Nerven).

 

Irgendwann wird man nämlich ins kalte Wasser geworfen und muss eine sehr umfangreiche Aufgabe mit all diesen Programmen und deren Funktionen umsetzen. Das hat unsere Studiengruppe wirklich lange beschäftigt und Nerven gekostet. Am Ende haben wir es aber geschafft.

 

Wer also gerne ans Händchen genommen wird, lieber realen Kontakt zu seinen Dozenten und Kommilitonen haben möchte (von Corona mal abgesehen), der sollte die Finger von dieser Art Studium lassen. 

 

Wer sich seine Zeit selber gut einteilen, sich selbst gut zum eigenständigen Lernen motivieren kann und dabei noch Spaß hat Menschen aus allen Ecken Deutschlands, Europas und der Welt treffen möchte, für den ist ein Online Studium perfekt.

(Fortsetzung folgt...)

Im nächsten Beitrag würde ich gerne auf das erste Semester und die Inhalte eingehen, falls Interesse besteht.

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