Nimm mich ... NICHT! Dein Urheberrecht.

 

 

 

Das Urheberrecht.

Ein Thema, welches alle paar Monate wieder hochkocht. Was darf man und was darf nicht? Wann ist ein Bild eine Kopie und wann spricht man von Inspiration? *keine Rechtsberatung*

Liebe Blogleser,

 

Vorab: Ich bin kein Rechtsanwalt! Dieser (wirklich sehr lang geratene) Artikel stellt keine Rechtsberatung dar und kann auch keine Rechtsberatung ersetzen. 

 

Er dient lediglich der Information und ist auch ganz bestimmt nicht vollständig, da das Thema sehr umfassend ist. Ich habe nach bestem Wissen und Gewissen für diesen Beitrag recherchiert, was nicht bedeutet, dass ich nicht auch Fehler machen kann! Hinweise über Fehler nehme ich gerne und dankbar entgegen.

 

Solltest du von einer Urheberrechtsverletzung betroffen sein und dein Recht durchsetzen wollen, solltest Du Dich im Zweifelsfall immer an einen Anwalt für Medienrecht wenden.

 

Los gehts:

 

 

Alle paar Monate taucht das Gespenst Urheberrecht in der Instagram Community wieder auf. 

 

Es geht um geklaute Bilder, kopierte Bilder oder Ideen und meistens auch um Respekt und Anstand. 

 

Worum geht`s?

 

Ein Account macht einen Screenshot von einem Bild auf einem anderen Profil und teilt dies auf seinem Account ohne den Urheber zu markieren. Der Eindruck entsteht, dass er/sie das Bild selbst gemacht hätte.

 

Die Community der Kreativen bei Instagram ist gut untereinander vernetzt. Irgendwie fällt also immer jemandem ein geklautes Bild ins Auge. Die Maschinerie läuft an: Der Urheber wird informiert. Dieser setzt sich mit dem "Dieb" in Verbindung und bittet entweder um eine korrekte Markierung sowie Nennung in der Bildunterschrift oder er bittet um Löschung.

Am letzten Wochenende bin ich leider auf eine Person gestoßen, die sehr uneinsichtig war und mit folgenden Aussagen brillierte:

„Ich betrüge niemanden um Geld, ich behaupte auch nicht, dass ich es (das Bild) gemacht habe. Ich habe in meinem kleinen Account alles Bilder, die mir gefallen.“

 

„Warum teilt Ihr (die Handletterer) Eure Bilder öffentlich und hatet und zickt dann rum. Bitte setzt Euch in den Keller und behütet Euren Kram“

 

„Ich möchte mich mit dieser Thematik nicht beschäftigen. {...} Stattdessen habe ich eine Horde Psychostakler am Hals, die meinen, Zitate in verschnörkelten Buchstaben zu malen ist die große Kunst“

 

„Was Du machst können Viele. Du hast da kein Alleinstellungsmerkmal. Was Du machst nennt man Schreiben. Es gibt sogar Computerprogramme, die das können!“

 

Die Dame war, wie man hier in Bruchteilen nachlesen kann, nicht nur zu mir sehr unhöflich und ging nicht auf meine Erklärungsversuche ein.

 

Dieses Erlebnis hat mich dazu gebracht auf Instagram die Aktion „NIMM MICH (NICHT)!“ #meinbildmeinurheberrecht ins Leben zu rufen. Es ist so wichtig, dass WIR (also jeder, der seine selbst erstellten Werke teilt) immer wieder darauf aufmerksam machen. JEDER ist Urheber! 

 

Was darf man eigentlich (nicht) ?

 

Instagram:

 

Generell ist es nicht erlaubt Bilder anderer Leute ohne Erlaubnis zu veröffentlichen bzw. zu teilen. Egal ob auf einem Blog, in einer Studentenzeitung, auf Instagram, auf Pinterest etc.

Bei Instagram gibt es (nicht umsonst!) keinen Share Button. Auch die diversen Repost Apps bringen einen da nicht auf die sichere Seite, da der Urheber nicht ausdrücklich die Genehmigung erteilt hat, dass man das Bild teilen darf.

 

Möchte man wirklich ganz unbedingt ein Foto teilen, welches man nicht selbst gemacht hat bzw. auf einem anderen Account entdeckt hat, fragt man den Urheber um Erlaubnis das Bild teilen zu dürfen. Am besten schriftlich!

 

Hat man die Erlaubnis erhalten, markiert man den Urheber auf dem Bild und nennt ihn/sie mit Markierung im Text. Falls der Urheber irgendwann eine Löschung wünscht, muss man das Bild umgehend aus seinem Feed entfernen. 

 

Laut Gesetz muss eigentlich sogar der Klarname des Urhebers am Bild stehen, NICHT der Instagram Nickname! Wenn der Urheber erklärt, dass es ausreichend sei nur den Nicknamen als Markierung zu verwenden, reicht das.

 

Wichtig: Man muss die Nutzungsrechte ganz klar definieren! Nur weil man die Erlaubnis erhalten hat das Bild auf Instagram zu teilen, heißt das nicht automatisch, dass man das Bild auf ein TShirt drucken und verkaufen darf!

 

Oft liest man unter Bildern „bitte teilen“ oder „darf geteilt werden“. Das ist im Prinzip okay, wenn diese Erlaubnis vom Urheber selber stammt. Ändert der Urheber jedoch nach Monaten die Bildunterschrift (in den meisten Fällen merkt man das gar nicht!) und entzieht dem Teilenden damit unwissend das Recht das Bild teilen zu dürfen, hat man ebenfalls eine Urheberrechtsverletzung begangen. Wenn man das zu Ende denkt, müsste man von jeder Bildunterschrift einen Screenshot machen, damit man später einen Beweis hat, dass man es teilen durfte...

 

Welche Rechte hat eigentlich Instagram an meinem Bild?

 

Ganz einfach, du hast bei Instagram während des Anmeldevorgangs die AGB akzeptiert. Dort steht: 

 

„Instagram hat die nicht-exklusive, vollständig bezahlte und gebührenfreie, übertragbare, weltweite Lizenz für die Nutzung der Inhalte, die du auf dem oder durch den Dienst postet“(Stand: Februar 2017) 

 

Du bleibst also weiterhin Urheber (dieses Recht ist nicht übertragbar), Instagram könnte aber richtig viel Geld mit deinen Bildern verdienen, da die Plattform diese verkaufen darf. 

 

Facebook

 

Auf Facebook ist das Ganze noch kritischer zu betrachten. Da klickt man schnell mal auf den Teilen Button. Auf der Webseite von Sebastian Deubelli findet sich in einem Blogbeitrag zum Thema Urheberrecht auf Facebook folgender Satz aus einem Urteil:

 

„Das Gericht gelangte bei diesem Punkt zu der Überzeugung, dass auch das Teilen eine öffentliche Zugänglichmachung nach § 19a UrhG und damit eine Urheberrechtsverletzung darstellt, wenn der Teilende keine Nutzungsrechte erhalten hat.“ Link zum Artikel

 

Das bedeutet mit anderen Worten, dass man eine Urheberrechtsverletzung begeht, wenn man ein fremdes Bild bei Facebook teilt ohne selbst die Erlaubnis des Urhebers eingeholt zu haben. Schwierig, denn ein Urheber ist durch das vielfache Teilen oftmals gar nicht mehr so einfach zu ermitteln, wer der Urheber überhaupt ist.

 

Man muss jedoch folgendes beachten: Lade ich mein Bild bei Facebook hoch, nehme ich billigend in Kauf, dass es von meiner Freundesliste geteilt wird, da der Teilen Button fester Bestandteil dieses Netzwerkes ist. Teilt das Bild dann zB ein Dritter über das Profil meines Freundes, liegt wieder eine Urheberrechtsverletzung vor, da dieser von mir keine Erlaubnis zum Teilen erhalten hat. 

 

Hand auf Herz: wie viele Verletzungen des Urheberrechts haben wir schon begangen, weil wir lustige Bildchen auf Facebook geteilt haben, die nicht direkt vom Urheber stammen? In den allermeisten Fällen geht das ja auch gut. Wenn sich aber wirklich mal jemand auf den Schlips getreten fühlt, könnte es sein, dass man eine Abmahnung inkl. Schadensersatzrechnung im Briefkasten vorfindet.

 

Welche Rechte hat eigentlich Facebook an meinem Bild?

 

Laden wir eins unserer Handletterings bei Facebook hoch, treten wir die Nutzungsrechte an Facebook ab. D.h. Facebook könnteLizenz- und Nutzungsrechte an Dritte verkaufen. So steht es in den Nutzungsbedingungen von Facebook: 

 

Für Inhalte, die durch Rechte am geistigen Eigentum geschützt sind, wie Fotos und Videos (IP-Inhalte), erteilst du uns ausdrücklich nachfolgende Genehmigung, vorbehaltlich deiner Einstellungen für Privatsphäre und Apps: Du gewährst uns eine nicht-exklusive, übertragbare, unterlizenzierbare, gebührenfreie, weltweite Lizenz für die Nutzung jedweder IP-Inhalte, die du auf bzw. im Zusammenhang mit Facebook postest (IP-Lizenz).“

 

Das haben wir akzeptiert, als wir uns bei Facebook angemeldet und die AGB akzeptiert haben. Ich frage mich, wie oft das wohl vorkommt. Falls das jemand weiß, bin ich für Infos dankbar.

 

Mein Bild wurde geklaut. Und jetzt?

 

Oftmals geschieht ein solcher Bilderklau nicht aus Boshaftigkeit sondern aus Unwissenheit. 'Der Volksmund sagt: "Unwissenheit schützt vor Strafe nicht": Wenn man also bedenkenlos Bilder mopst, weil man es nicht besser weiß, kann es passieren, dass man irgendwann eine Abmahnung inklusive Schadensersatzrechnung im Briefkasten vorfindet.

 

Ich bin immer sehr bemüht, den „Dieb“ freundlich über das Urheberrecht aufzuklären. Ich schicke dann Links zu Internetseiten und zum wirklich hervorragenden Podcast von Sebastian Deubelli. (Die Links dazu findet ihr ganz am Ende dieses Beitrages!)

 

Das klappt meistens prima und der/die UrheberrechtsverletzerIn (was für ein Wort!) bessert nach oder entfernt das Bild. Manchmal wird man von der Person geblockt. Dann sollte man mit einem anderen Account nachsehen bzw. von einem Freund nachsehen lassen, ob die geklauten Bilder noch da sind. 

 

Erhalte ich also Kenntnis darüber, dass ein Bild von mir geklaut wurde und die Person zeigt sich uneinsichtig, gehe ich folgendermaßen vor:

 

1.    Ich schreibe den Account an und bitte darum mich auf dem Bild und im Text zu markieren. Dabei reicht es mir nicht, wenn ich irgendwo unten in den Hashtags nur meinen Namen sehe, denn daraus geht nicht hervor, dass das Bild von mir ist.
Ich finde es nett, wenn dort steht: Repost von @stickynote.lettering oder Bild von @stickynote.lettering.

 

2.    Ich erkläre dem Account, warum ich das gerne so hätte und schicke ein paar Links zum Thema mit. Hier empfehle ich immer wieder gerne den Podcast von Medienrechtsanwalt Sebastian Deubelli, der sehr gut und verständlich auf dieses Thema eingeht. Man muss dafür nicht einmal lesen, nur zuhören.

 

3.    Sollte der Account nicht reagieren bzw. ungehalten reagieren, melde ich die Bilder bei Instagram. Das ist dann leider der letzte Schritt.

Eine Urheberrechtsverletzung bei Instagram melden:

1.    Tippe auf die drei Punkte oben rechts im Bild

2.    Wähle „Melden“

3.    Wähle „Unangebracht“

4.    Wähle „Verstoß gegen die Rechte an geistigem Eigentum“

5.    Klicke auf „Mehr dazu“

6.    Klicke auf den Link „Erfahre mehr über das Melden von Urheberrechtsverletzungen“

7.    Klicke auf „dieses Formular“

8.    Fülle das Formular aus und sende es ab.

 

Man hat eine Menge Klickarbeit zu erledigen, bis man am Ziel ist. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass es einem extra schwer gemacht werden soll ans Ziel zu kommen, aber so ist es nun einmal.

 

Es lohnt sich aber meistens, da das Bild von Instagram dann entfernt wird.

 

Leider kann das unter Umständen einige Tage bis Wochen dauern. Kein Wunder, wenn man bedenkt, wie viele Bilder täglich bei Instagram hochgeladen und wahrscheinlich auch gemeldet werden.

 

WICHTIG: Nur der Urheber selbst kann geklaute Bilder melden. 


Grundsätzlich vertrete ich die Meinung, dass man die Kirche im Dorf lassen sollte. Wir kleinen Handletterer sind meistens dankbar, wenn unsere Werke geteilt werden, da sich dadurch ja auch unsere Reichweite erhöht. Wir verdienen meist kein Geld mit unseren Werken, haben Spaß an der Sache. Dennoch sollten wir auf die Wahrung unserer Urheberrechte achten und immer wieder darauf aufmerksam machen. Steter Tropfen höhlt ja bekanntlich den Stein! Falls es mal dazu kommen sollte, dass jemand mein Bild für kommerzielle Zwecke nutzt, würde ich auf jeden Fall auch anwaltlichen Rat in Anspruch nehmen. Denn das ist wieder eine ganz andere Sache.

 

Es ist wohl jedem klar, dass es sich nicht lohnt einen Anwalt einzuschalten, wenn Lieschen Müller ein Bild klaut und auf ihrem 109 Follower starken Account teilt, weil sie es so schön findet und wohlmöglich gar nicht weiß, dass sie etwas Falsches getan hat. Die Kosten für den Anwalt übersteigen in solchen Fällen fast immer den zu erwartenden Schadensersatz. Letztlich muss aber jeder für sich selbst entscheiden, wie er in einem solchen Fall handeln möchte.

 

Künstler, deren Beruf es ist ihr täglich Brot mit solchen Werken zu verdienen gehen selbstverständlich noch einmal ganz anders mit diesem Thema um.

 

Viele glauben ja, dass sie mit einem Wasserzeichen auf der sicheren Seite sind. Fakt ist, dass ein Wasserzeichen nicht mehr Schutz bietet. Das Werk ist mit der Erschaffung urheberrechtlich geschützt. Es mag sein, dass die Hemmschwelle genau dieses Bild zu klauen dann höher liegt, ich glaube aber, dass das kaum messbar ist. Ich bin nie zufrieden, wenn ich ein Wasserzeichen auf meine Bilder packe...  es sieht immer aus wie ein Störer. Selten lässt es sich harmonisch einbinden. Ich habe auch schon ganz oft geklaute Bilder gesehen, in denen das Wasserzeichen bewusst rausgeschnitten wurde. Das muss dann wieder jeder für sich selbst entscheiden. Rein rechtlich bringt ein Wasserzeichen aber wohl nichts.

 

Inspiration, Kopien, Zitate und Lizenzen!?

 

Ein wirklich verzwicktes Thema und, soweit ich das richtig verstanden habe, im Streitfall von Fall zu Fall recht unterschiedlich. 

 

Selbst erstellte Letterings sind geschützt durch die sogenannte Schöpfungshöhe. Wikipedia sagt dazu: 

 

"Ein Werk im Sinne des § 2 Gesetz über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) muss eine konkrete, „wahrnehmbare Formgestaltung“[14] aufweisen, also über eine Idee hinaus bereits so weit konkretisiert sein, dass es mit menschlichen Sinnen wahrnehmbar ist, und es muss sich nach § 2 Abs. 2 UrhG um eine „persönliche geistige Schöpfung“ handeln. Dieses Kriterium[15] schließt einerseits Zufallsentstehungen, Fundstücke und von Tieren Produziertes aus. Und es verlangt eine dem Schöpfer zuzurechnende Individualität des Werkes.[16]"

 

Da es im Bereich Handlettering eine unglaublich hohe Anzahl an Tutorials, also Anleitungen im Netz zu finden gibt, und diese Techniken nicht geschützt sind, braucht man sich keine weiteren Gedanken darüber machen, wenn man eine Technik, die man irgendwo gesehen hat übernimmt. Wir erfinden das Rad ja nicht neu, da brauchen wir uns nichts vormachen. Fast alles ist irgendwann schon einmal von irgendwem gemacht worden. 

 

Solltet ihr jedoch DIE innovative Idee für eine neue Technik haben, könnt ihr Euch diese schützen lassen. Dafür befragt ihr dann aber wieder einen Anwalt. 

 

Wer sich noch tiefer mit diesem Thema befassen möchte, der sollte Google bemühen und die Themen „eingetragene und nicht eingetragene Geschmacksmuster“ durcharbeiten. J Ich befürchte nämlich jetzt schon, dass zwei Drittel der Leser bereits schnarchend mit dem Kopf auf der Tastatur liegen bzw. den Blog schon ausgeschaltet haben. Wenn du noch dabei bist. Danke! <3

 

Interessant wird es, wenn man 1:1 Kopien seiner Werke findet.  Bei einer Nachahmung eines bereits vorhandenen Werkes wird also auch das Urheberrecht verletzt. 

 

Besonders Anfänger greifen auf Handletteringvideos und Bilder zurück und ahmen diese 1:1 nach um ein besseres Gefühl dafür zu bekommen, wie man denn nun diese tollen Schriftzüge aufs Papier zaubert. Ich selbst habe es am Anfang nicht anders gemacht.

 

Möchte man die Bilder der kopierten Kunst teilen, muss man auch hier den Urheber fragen. Kritisch wird es dann, wenn derjenige bei dem man kopiert hat selber auch kopiert hat. Weiter unten gehe ich auf dieses Thema noch genauer ein.

 

Grundsätzlich sollte man Bilder also nicht 1:1 zu kopieren UND veröffentlichen. Fertigt man diese Kopien zu Übungszwecken an und lässt sie dann in der Schublade verschwinden ist das okay.

 

Sein Recht in diesem Bereich durchzusetzen ist schwer. Es besteht immer die Möglichkeit, dass der „Kopierer“ sich damit herausredet, dass es sich um einen Zufall handelt, dass er genau das gleiche Bild erstellt hat. Zufällige Doppelschöpfung nennt sich das … vor Gericht würde geklärt werden, wie wahrscheinlich es ist, dass die Kopie auf dem Ursprungswerk beruht. Bei Letterings eher schwierig, bei der Mona Lisa ziemlich leicht.

 

Dass man lizensierte Figuren wie z.B. Disneycharaktere oder Markenlogos auch nicht nachmalen darf, ist mittlerweile auch bei jedem angekommen. Das Risiko abgemahnt zu werden, wenn man eine Micky Maus oder Batman illustriert und einen Spruch darauf lettert ist wohl eher gering einzuschätzen… ich habe noch nie gehört, dass ein kleiner Hobbykünstler von Disney eine Abmahnung erhalten hat. Man sollte aber wissen, dass es nicht erlaubt ist so etwas zu tun. 

 

Würde man sich die monatlichen Illustrations- und Handletteringchallenges einmal genauer anschauen, dürfte man wahrscheinlich an 80% gar nicht teilnehmen, weil garantiert das Urheberrecht in Bezug auf Zitate, lizensierte Figuren o.ä. verletzt wird.... 

 

Wann zählt ein Werk nicht mehr als Kopie?

 

·      Als Alleinstellungsmerkmal zählen in der Kunst Dinge, die nicht gewöhnlich oder alltäglich sind. Wenn ein Künstler zB eine grüne Hand mit 7 Fingern malt, dann ist das eine individuelle Schöpfung des Künstlers und somit schutzwürdig. Malt er immer nur normale Hände mit 5 Fingern, ist dies nicht schützenswert, da es sich um eine alltägliche, gewöhnliche Sache handelt. 

·      Man muss neue schöpferische Merkmale in das Bild einarbeiten, die das Werk beherrschen.

·      Gut ist auch, wenn das Originalwerk nicht mehr erkennbar ist: Ändert das Layout, die Typo, die Farben und die Technik.

 

Sollte man nach all diesen Änderungen immer noch das Originalwerk erkennen, sind wir hier wieder beim Thema Respekt und Anstand:

 

Nett wäre, wenn sowohl in den inspirierten Bildern  als auch im Text derjenige markiert wird, bei dem man sich die Inspiration geholt hat. Das tut nicht weh und schmeichelt dem kreativen Kopf hinter dem Ursprungsbild garantiert sehr!

 

Inspiration von Pinterest & Co.

 

Auf Instagram findet man besonders in der Aquarellmalerei (Watercolor) immer wieder Werke, bei denen man genau erkennt, dass sie kopiert wurden. Pinterest ist hier Kopierquelle Nr 1. Viele Aquarellillustrationen, die mir so bei der Durchsicht meines Feeds begegnen habe ich irgendwo schon gesehen. Ich schliesse mich da nicht aus. Auch ich habe schon Aquarellmotive von Pinterest übernommen und in meine Bilder eingearbeitet.

 

Ein sehr bekanntes Motiv ist ein Flamingokopf mit einem Blumenkranz. Man sieht ihn immer und immer wieder. Man findet dieses Bild tausendfach auf Pinterest (eine tolle Inspirationsquelle!). Leider verweist kaum einer der Künstler auf den Urheber. Dieser ist kaum noch auszumachen. Ich habe bei meiner Recherche einige Namen gefunden, die als Urheber in Frage kämen... sicher bin ich aber nicht. 

Die Angabe „Inspiriert durch Pinterest“ reicht da leider nicht aus, denn Pinterest ist nicht der Urheber dieses Bildes. Urheberrechte sind nicht übertragbar. Also: Solche Bilder auch besser nicht 1:1 abmalen und als die eigenen hochladen.

 

Bei Pinterest gibt es außerdem eine große Anzahl an Sprüchen, die alle unbedingt von uns gelettert werden wollen! 

 

Doch Vorsicht: selbst kurze Sätze können  markenrechtlich geschützt sein. Das kann man gut im Markenrechtregister nachschauen. Ein gutes Beispiel: „Ich liebe es!“ oder „Life is good“

 

Auch bekannt, weil es die letzten Jahre immer mal wieder durch die Medien geisterte: Der Begriff „Black Friday“ ist markenrechtlich geschützt. Da hat sich eine schlaue Firma die letzten Jahre ein goldenes Näschen mit verdient (das habe ich bei mir auf der Arbeit am eigenen Leib miterlebt!) Diese Firma überwacht das Internet konsequent und schickt sofort saftige Rechnungen, wenn man diesen Begriff ohne Erlaubnis benutzt. 

 

100% sicher ist man nur, wenn man Sprüche verwendet, bei welchen der Urheber länger als 70 Jahre tot ist. Konfuzius ist ja auch cool, oder?

 

Englische Zitate sind noch einmal eine ganz andere Geschichte… das wäre dann internationales Urheberrecht. Im Prinzip kann man sich direkt einen Strick nehmen, wenn man internationales Urheberrecht bricht das geht jetzt hier tatsächlich viel zu weit. Wenn ihr betroffen seid, fragt einen Anwalt.

 

Mein Fazit: Man darf viel mehr nicht als man denkt. In der Regel hat man aber ein Bauchgefühl auf das man hören sollte. Wenn ich mich inspirieren lasse, werde ich einmal mehr darauf achten dem Künstler meinen Respekt zu zollen und für die Idee zu danken. Mit einem gesunden Bauchgefühl kann man auch immer entscheiden, ob man nicht doch einmal den Donald Duck in sein Lettering zeichnet, weil es gerade so gut passt. Solange man das Bild nicht kommerziell nutzt ist das Risiko halbwegs einschätzbar. Aktuell rauscht das Thema Urheberrecht auch wieder durch die Medien. U.a. geht es darum, dass zB für YouTube ein Filter eingeführt werden soll, der auf Grund einer Datenbank Videos scannt bevor sie hochgeladen werden. Taucht dort ein Bild oder Lied auf, welches urheberrechtlich geschützt ist, wird das Video gar nicht erst hochgeladen. Das wird sicher noch spannend, denn wenn dieser Filter zB ein Bild von mir vor dem Empire State Building blockiert nur, weil das ESB in der Datenbank als urheberrechtlich geschützt hinterlegt ist, grenzt das schon an Zensur....

 

Falls du, lieber Leser, bis hier hindurchgehalten hast, fühl Dich feste gedrückt!

Wenn Du Lust hast, diese Aktion zu unterstützen, dann kreiere bitte ein Bild mit dem Text "NIMM MICH (NICHT)" und nutze den Hashtag #meinbildmeinurheberrecht auf Instagram, damit wir weiter gemeinsam darauf aufmerksam machen können, dass Bilderklau ein Verstoß gegen das Urheberrecht ist.

 

Podcast: 

 

Den oben mehrfach erwähnten Podcast von Medienrechtsanwalt Sebastian Deubelli mit Tanja Capell (Frau Hölle) zum Thema Urheberrecht & Social Media findet ihr hier:

 

Podcast kreativ(ge)recht Nr 23

 

Ein dickes Danke geht an Herrn Deubelli, der mir im Zuge meiner Recherche auch noch ganz nett die ein oder andere Frage beantwortet hat. 

Hört also bitte nicht nur diesen Podcast, sondern schaut Euch auf seiner Webseite www.deubelli.com ausgiebig um!

 

Links:

 

Das Urheberrecht

 

Wikipedia: Geschmacksmuster

 

Markenrecherche